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Echos des Lebendigen

Große Spinnen, silberne Herbstfäden, unglaubliche Netze: Spinnen im Herbst verstehen

Warum werden große Spinnen im September plötzlich so sichtbar? Wie baut eine Kreuzspinne ihr Netz, ohne selbst daran kleben zu bleiben? Und was sind eigentlich die silbernen Fäden, die der Herbst über Wiesen legt?

Kurz gesagt
Die großen Spinnen, die uns im Herbst auffallen, tauchen nicht alle plötzlich auf, um der Kälte zu entkommen: Bei den großen Hausspinnen sind es vor allem erwachsene Männchen, die auf der Suche nach einem Weibchen umherwandern. Die in Frankreich traditionell „fils de la Vierge“ genannten silbernen Spinnfäden hängen mit der Ausbreitung kleiner Spinnen durch die Luft zusammen. Und ein Spinnennetz ist nicht einfach nur ein Fangnetz: Es ist Falle, Material, Alarmsystem und bei manchen Arten beinahe eine Erweiterung ihrer Sinne.

I. Das Rätsel des Septembers

Jedes Jahr wiederholt sich dieselbe Szene. Man betritt das Badezimmer und eine große, schnelle braune Spinne huscht unter die Badewanne. Panik, ein Schrei, ein Hilferuf — wobei die gerufene Person je nach Haushalt nicht unbedingt begeisterter ist.

Warum gerade jetzt? Am Ende des Sommers und zu Beginn des Herbstes verlassen die erwachsenen Männchen mehrerer großer Hausspinnenarten, besonders aus der Gruppe Eratigena, ihre Netze und wandern auf der Suche nach einer Partnerin umher. Genau diese Bewegung macht sie plötzlich viel sichtbarer. Badewannen und Waschbecken werden dabei zu unbeabsichtigten Fallen: Die Spinne fällt von einer Wand oder einem Rand hinein und kann die glatte Oberfläche nicht wieder hinaufklettern.

Entgegen einer verbreiteten Vorstellung gibt es also keine große „Herbstinvasion“. Viele dieser Spinnen lebten bereits unauffällig im Gebäude, und einige können auch von draußen durch ein Fenster, eine Tür, einen Spalt oder einen Kamin hereinkommen. Vor allem ihr Verhalten verändert sich.

Sind sie gefährlich? Die großen Hausspinnen in unseren Wohnungen stellen für Menschen normalerweise keine Gefahr dar. Medizinisch bedeutsame Spinnenbisse sind in Frankreich selten und lassen sich häufig nicht sicher einer bestimmten Art zuordnen. Einige mediterrane Spinnen, insbesondere Latrodectus-Arten — darunter die europäische Schwarze Witwe, die Malmignatte — sowie manche Loxosceles-Arten können ernstere Beschwerden verursachen. Das hat jedoch nichts mit der großen Hausspinne zu tun, die durchs Wohnzimmer läuft.

Große Hausspinne Eratigena atrica am Eingang ihres Trichternetzes

Eine große Hausspinne am Eingang ihres Trichternetzes. Foto: Isiwal / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

II. Spinnenhilfe: der richtige Handgriff

Weder Insektenspray noch ein heroisches Duell sind nötig. Ein Glas und ein Stück Karton reichen aus: Das Gefäß über die Spinne setzen, den Karton vorsichtig darunter schieben und sie anschließend an einen ruhigen, geschützten Ort bringen.

Ist sie in Badewanne oder Waschbecken gefangen, kann ein einfaches Handtuch, das bis auf den Boden reicht, als Leiter dienen. Häufig klettert sie von selbst hinaus. Bei einer Art, die in Gebäuden lebt, ist im tiefen Winter eine Garage, ein Keller, ein Schuppen oder eine geschützte Ecke besser geeignet als eine dem Frost ausgesetzte Wiese.

Rosskastanien, ätherische Öle und andere angebliche Spinnenabwehrmittel wirken sehr unterschiedlich, und belastbare Belege dafür sind rar. Sanftes Einfangen bleibt die einfachste Lösung, ohne das Badezimmer in ein Labor für chemische Kriegsführung zu verwandeln.

Bei Verdacht auf einen Biss
Reinigen Sie die Stelle, beobachten Sie die Entwicklung und holen Sie medizinischen Rat ein, wenn die Schmerzen stark werden, sich die Rötung ausbreitet oder allgemeine Symptome auftreten. Ist das Tier noch zu sehen, kann ein Foto zur Bestimmung helfen — ohne die Spinne anzufassen.

III. Das Netz: ein Meisterwerk der Ingenieurskunst

Die große Spinne, die durchs Wohnzimmer läuft, baut nicht unbedingt das runde Netz, das man aus Büchern kennt. Große Hausspinnen bauen eher eine flächige Seidenmatte, die in einem Rohr oder Trichter endet, in dem sie auf Beute warten. Die Fangfäden müssen dabei nicht klebrig sein: Eine Beute, die über die Fläche läuft, überträgt Schwingungen, und die Spinne schießt aus ihrem Versteck hervor.

Das geometrische Radnetz ist typisch für viele Radnetzspinnen, darunter Kreuzspinnen. Sein Bau folgt einer bemerkenswerten Logik: Trägerfäden, Speichen, eine vorläufige Spirale und schließlich die Fangspirale. Je nach Art werden einzelne Teile des Netzes häufig erneuert, und die Seide kann von der Spinne wiederverwertet werden.

Radnetzspinne im Zentrum eines kreisförmigen Radnetzes

Das Radnetz einer Radnetzspinne. Foto: Gnissah / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Und warum bleibt die Spinne nicht selbst an ihrer Falle kleben? Untersuchungen zeigen eine Kombination mehrerer Lösungen: Sie begrenzt den Kontakt mit klebrigen Bereichen, Haare an ihren Beinen reduzieren die Kontaktfläche, und auch die chemischen Eigenschaften der Beinoberfläche vermindern die Haftung. Die Ingenieurskunst steckt also nicht nur im Netz, sondern ebenso in den Beinen seiner Erbauerin.

IV. Ein begehrtes Material: Spinnenseide

Die Seide des Seidenspinners und die von Spinnen sind beide proteinbasierte Materialien, aber sie sind nicht identisch. Seidenspinner produzieren hauptsächlich Fibroin; Spinnen besitzen Proteinfamilien, die Spidroine genannt werden, und vor allem mehrere Drüsen, die je nach Zweck unterschiedliche Seiden herstellen können: Sicherheitsfaden, Gerüst, Fangseide, Eikokon oder Umhüllung der Beute.

Spinnenseide fasziniert Ingenieurinnen und Ingenieure, weil sie Festigkeit, Leichtigkeit und Dehnbarkeit verbindet und dadurch eine außergewöhnliche Zähigkeit erreicht. Der allzu einfache Slogan, sie sei „stärker als Stahl“, trifft jedoch nicht in jeder Hinsicht zu: Die Leistung hängt von der Seidenart und der jeweils gemessenen Eigenschaft ab.

Die industrielle Schwierigkeit liegt an anderer Stelle: Spinnen lassen sich nicht wie Seidenspinner massenhaft in engem Raum halten. Sie sind territorial, fressen einander häufig und produzieren nur vergleichsweise geringe Mengen an Faden.

Das spektakulärste Beispiel sind die in Madagaskar hergestellten Spinnenseiden-Textilien von Simon Peers und Nicholas Godley. Goldene Radnetzspinnen wurden gesammelt, vorübergehend in eine Vorrichtung gesetzt, mit der ihre Seide — mehrere Dutzend Tiere gleichzeitig — abgehaspelt werden konnte, und anschließend wieder freigelassen. Das Projekt erforderte jahrelange Arbeit und für einige heute in großen Museen gezeigte Stücke mehr als eine Million Spinnen. Andere Forschungsteams verfolgen einen völlig anderen Weg: gentechnisch veränderte Seidenspinner sollen Proteine der Spinnenseide produzieren.

V. Silberne Herbstfäden: wenn Spinnen in die Luft gehen

Am Ende des Sommers und im Herbst sieht man manchmal lange silbrige Fäden durch die Luft treiben und sich dann auf Wiesen, Hecken, Zäunen oder Weinbergen ablagern. In Frankreich werden sie traditionell „fils de la Vierge“ genannt, wörtlich etwa „Fäden der Jungfrau“. Im Deutschen erinnert das Phänomen an die feinen Spinnfäden des Altweibersommers.

Sie hängen mit dem sogenannten Ballooning zusammen, einer Strategie zur Ausbreitung durch die Luft. Kleine Spinnen — häufig Linyphiidae, aber nicht ausschließlich — erklimmen einen erhöhten Punkt, geben Seidenfäden ab und lassen sich bei günstigen Bedingungen forttragen. Die nach solchen Flügen in der Landschaft angesammelte Seide wird durch Tau und flach einfallendes Licht besonders gut sichtbar.

Spinnenseide auf der Vegetation nach einem Ballooning-Ereignis

Seidenfäden nach einer Phase der Ausbreitung durch die Luft. Foto: Giorgio Galeotti / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Der Wind ist möglicherweise nicht der einzige Akteur. Experimente an der University of Bristol zeigten, dass Spinnen das elektrische Feld der Atmosphäre wahrnehmen können und dass Feldstärken natürlicher Größenordnung das Ballooning auslösen und zur Auftriebskraft auf die Seide beitragen können. Das ersetzt die Aerodynamik nicht — es ergänzt eine ohnehin erstaunliche Geschichte um einen weiteren Mechanismus.

Anders gesagt
Wenn eine Wiese an einem Herbstmorgen mit silbernen Fäden überzogen scheint, sehen Sie keine Sammlung verlassener Netze. Sie sehen Spuren einer Bewegung, mit der sich Lebewesen in der Landschaft verbreiten.

VI. Wer sind sie wirklich? Ein Familienporträt

Hinter dem Sammelbegriff „große Hausspinne“ verbergen sich mehrere Gruppen.

Große Hausspinnen aus der Gruppe der Trichterspinnen sind die großen braunen Langbeiner, die man am Boden, in Kellern, Garagen und ruhigen Räumen findet. Erwachsene Männchen werden am Ende des Sommers besonders mobil.

Zitterspinnen besitzen einen kleinen Körper an außergewöhnlich langen Beinen. Sie leben in lockeren Netzen, häufig in Ecken unter der Decke.

Steatoda-Arten, manchmal als „falsche Witwen“ bezeichnet, haben einen runderen Hinterleib und bauen unregelmäßige Netze. Sie sind nicht aggressiv; wie bei allen Spinnen sollte man sie lediglich nicht mit bloßen Händen anfassen.

Die Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana) ist kräftiger gebaut und kontrastreicher gezeichnet. Ursprünglich mediterran, wird sie inzwischen weit außerhalb ihres historischen Verbreitungsgebiets beobachtet und kann in Häuser gelangen.

Im Ausland sieht das Bild kaum anders aus: Im Vereinigten Königreich gehören große Hausspinnen zu denselben Gruppen; in Nordamerika wurden mehrere europäische Agelenidae eingeführt. Die berühmte „Hobo Spider“ hatte lange einen Ruf als gefährliche Spinne, der deutlich stärker war, als heutige medizinische Daten rechtfertigen.

VII. Welche Spinne habe ich vor mir?

  • Große Hausspinne: groß, braun, lange Beine; am Boden oder unten an der Wand; flächiges Netz mit Trichter.
  • Zitterspinne: sehr kleiner Körper und extrem lange, fadenartige Beine; hängt hoch oben in einem lockeren Netz.
  • Radnetzspinne: Hinterleib oft rund und gemustert; vor allem draußen; großes geometrisches Radnetz.
  • Springspinne: klein, kompakt, große nach vorn gerichtete Augen; bewegt sich springend; jagt auf Sicht ohne Fangnetz.
  • Steatoda: runder, brauner bis dunkler Hinterleib; unregelmäßiges Netz in einer geschützten Ecke.
  • Weberknecht: keine echte Spinne aus der Ordnung Araneae. Der Körper wirkt wie aus einem Stück und das Tier baut kein Fangnetz.

Dieser Schlüssel erlaubt nur eine grobe Einordnung. Um zwei nahe verwandte Arten sicher zu unterscheiden, müssen feine Merkmale untersucht werden — manchmal unter dem Mikroskop. Ein scharfes Foto ist daher besser als heldenhafte Gewissheit.

VIII. Das geheime Leben einer Hausspinne

Findet ein Männchen das Netz eines Weibchens, stürzt es sich nicht wie eine unvorsichtige Fliege hinein. Es erzeugt Schwingungssignale, die an der Erkennung zwischen den Partnern beteiligt sind. So wird der Herbst zur Jahreszeit, in der wir besonders viele Männchen auf Wanderschaft sehen.

Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in einem Seidenkokon an einem geschützten Ort ab. Bei großen europäischen Hausspinnen schlüpfen die Jungtiere meist im Frühjahr oder in der warmen Jahreszeit, wachsen über mehrere Monate und durchlaufen eine Reihe von Häutungen.

Die Lebenszyklen unterscheiden sich je nach Art und Bedingungen. Gerade deshalb sollte man allzu genaue Zahlen, die pauschal für „die Hausspinne“ genannt werden, mit Vorsicht betrachten: Hinter diesem Alltagsnamen verbergen sich mehrere Arten mit unterschiedlichen Rhythmen.

IX. Eine Familie, tausend Strategien

  • Große Hausspinnen: Lauerjagd von einer Seidenfläche aus, die mit einem Versteck verbunden ist.
  • Radnetzspinnen: Radnetz mit klebrigen Fangbereichen.
  • Zitterspinnen: dauerhaftes unregelmäßiges Netz in Gebäuden.
  • Linyphiidae: kleine Deckennetze und bei vielen Arten spektakuläre Ausbreitung durch die Luft.
  • Krabbenspinnen: Lauerjagd auf Blüten oder Vegetation ohne Fangnetz.
  • Springspinnen: Jagd auf Sicht mit präzise berechneten Sprüngen.

Dieselbe Tierordnung, aber völlig unterschiedliche Lösungen: warten, fangen, springen, sich tarnen oder fliegen.

X. Warum haben wir Angst? Zwischen Biologie und Vorstellungskraft

Arachnophobie gibt es tatsächlich, und sie kann sehr belastend werden. Schätzungen variieren je nach Studie und Definition, doch eine klinische Phobie betrifft nur eine Minderheit der Bevölkerung, während Unbehagen oder mäßige Angst deutlich häufiger sind.

Studien mit sehr jungen Kindern haben gezeigt, dass Bilder von Spinnen oder Schlangen stärkere Aufmerksamkeits- oder physiologische Aktivierungsreaktionen auslösen können als andere Bilder. Das beweist nicht, dass Babys im klinischen Sinn „Angst“ vor Spinnen haben. Es spricht eher für eine frühe Sensibilität gegenüber bestimmten Formen, auf deren Grundlage Lernen, Kultur und persönliche Erfahrung später eine dauerhafte Angst entwickeln können — oder auch nicht.

Die Psychoanalyse des frühen 20. Jahrhunderts deutete die Spinne mitunter als Bild der „gefürchteten Mutter“ oder der Kastrationsangst. Diese Lesart gehört vor allem zur Ideengeschichte. Die heutige Psychologie stützt sich bei behandlungsbedürftigen Phobien wesentlich stärker auf Lernmechanismen und schrittweise Expositionstherapien.

Auch die westliche Vorstellungswelt hat die Spinne stark symbolisch aufgeladen. In der griechischen Mythologie fordert Arachne, eine außergewöhnliche Weberin, Athene heraus und wird schließlich verwandelt. In westafrikanischen und karibischen Traditionen ist Anansi dagegen eine Figur der List, des Erzählens und der Weitergabe von Wissen. Je nachdem, wo man aufwächst, kann die Spinne also Monster, Künstlerin, Botin oder Geschichtenerzählerin sein.

Und das französische Sprichwort „Spinne am Morgen, Kummer; Spinne am Mittag, Sorge; Spinne am Abend, Hoffnung“ gehört zum Wetterfolklore. Spinnen verändern ihre Aktivität tatsächlich je nach Feuchtigkeit, Wind und Regen, doch das Sprichwort ist selbstverständlich keine amtlich zugelassene Wetterstation.

XI. Wahr oder falsch: sieben verbreitete Vorstellungen

„Im Schlaf verschluckt man acht Spinnen pro Jahr.“ — Falsch. Keine seriöse wissenschaftliche Arbeit stützt diese Zahl. Es handelt sich um eine urbane Legende, deren genauer Ursprung deutlich unsicherer ist, als manche Internetgeschichten behaupten.

„Ein Fleck am Morgen ist wahrscheinlich ein Spinnenbiss.“ — Meist falsch. Viele Hautveränderungen, die Spinnen zugeschrieben werden, haben andere Ursachen. Selbst in der klinischen Toxikologie ist die verantwortliche Art oft nicht sicher zu bestimmen.

„Spinnen sind Insekten.“ — Falsch. Sie sind Spinnentiere: Erwachsene besitzen acht Beine und einen anderen Körperbau als Insekten.

„Alle Spinnen bauen Fangnetze.“ — Falsch. Springspinnen und Krabbenspinnen jagen unter anderem ohne Fangnetz.

„Eine Spinne kann mehrere Seidenarten herstellen.“ — Richtig. Verschiedene Drüsen produzieren Materialien für unterschiedliche Funktionen; bei manchen Arten lassen sich mehrere Seiden- und Klebstofftypen unterscheiden.

„Die Spinne in der Badewanne kam durch den Abfluss.“ — In den meisten Fällen sehr unwahrscheinlich. Meist ist sie von der Wand oder vom Rand gefallen und bleibt dann auf der glatten Oberfläche gefangen.

„In einem sehr sauberen Haus gibt es keine Spinnen.“ — Falsch. Ihre Anwesenheit hängt vor allem vom Zugang zum Gebäude, verfügbaren Verstecken und kleinen Beutetieren ab. Sie stellen keinerlei Zeugnis über mangelnde Haushaltsführung aus.

XII. Herbstmission: das Achtbein-Notizbuch

Wählen Sie eine Gartenecke, ein Fenster, einen Keller oder einen ruhigen Raum. Notieren Sie sieben Tage lang Uhrzeit, Wetter, Ort, Netztyp — oder das Fehlen eines Netzes —, ungefähre Größe der Spinne, ihr Verhalten und, wenn möglich, machen Sie ein Foto, ohne sie zu stören.

Dieses kleine Protokoll verändert den Blick sofort. Man sieht nicht mehr einfach „eine Spinne“, sondern beginnt zu unterscheiden: ein unbewegliches Tier im Netz, ein wanderndes Männchen, eine auf Sicht jagende Spinne, ein über Nacht neu entstandenes Netz oder einen Faden, den erst der Tau sichtbar macht.

Naturbeobachtungen in Frankreich können über INPN Espèces, die Citizen-Science-App des französischen Nationalen Inventars des Naturerbes, übermittelt werden und so zur Kenntnis der französischen Biodiversität beitragen.

Mehr entdecken in der Gemeinschaft
Das praktische Heft Die Welt mit acht Beinen gesehen führt dieses Dossier weiter: Wie nimmt eine Hausspinne eine Schwingung wahr? Warum kann ein Netz wie eine Erweiterung der Sinne funktionieren? Wie lässt sich eine kleine Beobachtung durchführen, ohne das Tier zu berühren? Mitglieder finden dieses Heft jetzt in der Gemeinschaft.

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XIII. Auch die Unbeliebten brauchen uns

Die erste nationale Rote Liste zu den Spinnen des französischen Mutterlands bewertete 1.622 Arten. Davon wurden 170 als gefährdet und 101 als potenziell gefährdet eingestuft. Damit befindet sich bereits mehr als jede zehnte bewertete Art in einer besorgniserregenden Lage.

Die Ursachen sind vielfältig: Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen, Verlust alter Bäume und Mikrohabitate, Austrocknung von Feuchtgebieten, Versiegelung und künstliche Umgestaltung von Böden sowie intensive Land- oder Forstwirtschaft. Spinnen sind zugleich Räuber zahlreicher kleiner Tiere, Beute anderer Arten und Indikatoren für die Qualität bestimmter Lebensräume.

Wir fürchten einige sehr auffällige Tiere in unseren Häusern, während viel unauffälligere Arten lautlos verschwinden. Vielleicht ist das die interessanteste Umkehrung dieses gesamten Dossiers: Die große Spinne im September ist nicht die Eindringlingin der Geschichte. Sie ist eine Einladung, eine Welt genauer anzuschauen, die wir fast immer übersehen.

Und manchmal genügt ein einziger Faden.

Quellen und weiterführende Informationen

Französisches Komitee der IUCN, Rote Liste der Spinnen des französischen Mutterlands (2023); Muséum national d’Histoire naturelle / INPN; Natural History Museum, Dossier „House spider“; British Arachnological Society, „Spiders in the House“; University of Bristol, Arbeiten zum elektrischen Feld der Atmosphäre und zum Ballooning; französische Studie der Giftinformationszentren zu Spinnenbissen; experimentelle Arbeiten zu den antihaftenden Eigenschaften der Beine von Radnetzspinnen; Victoria & Albert Museum, Projekt Golden Spider Silk.

Bildnachweise: Isiwal / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0); Gnissah / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0); Giorgio Galeotti / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0). Die Dateien wurden in die Mediathek der Website importiert, damit keine externen Bildverknüpfungen erforderlich sind.

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